Ulrike M. oder Die Würde des Menschen

von Brigitte Döring und Markus Nondorf – eine Collage in drei Teilen.ulrike_m

Das Stück wurde 1995 im KOMM in Nürnberg uraufgeführt (Inszenierung: Markus Nondorf – Spiel: Brigitte Döring) und war damit der Aufarbeitung des „deutschen Herbstes“ um einige Jahre voraus, was erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung zur Folge hatte. Erzählt wird die Lebensgeschichte Ulrike Meinhofs, die am 7.10.1934 als Tochter eines evangelischen Theologen beginnt und am 9. Mai 1976 in einer Zelle des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim endet.

„Ein Lebensweg aus dem Schoß gutbürgerlicher Gesellschaft, aufgewachsen in der Tradition antifaschistischen Widerstandes, aufgebrochen mit der Hoffnung in die junge deutsche Demokratie, ausgesetzt verdrängter Scham und Schuld, aufgerüttelt durch Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze, aufgebracht über den Völkermord in Vietnam, ambivalent zwischen Anpassung und Aufruhr – eine Antimilitaristin auf dem Weg in die Militanz.“
(Markus Nondorf)

Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern springt von der Isolationshaft in Stammheim immer wieder zurück in den Untergrund oder in die Studentenzeit. Dabei ist die Collage aus O-Tönen, Gedichten und Musik der Zeit bewusst kein Porträt der RAF, sondern ein ganz intimer Einblick in die Person Ulrike Meinhof. Wer war diese rätselhafte Frau?
Neben den authentischen, noch heute verstörenden Zitaten aus der Haft („Das Rückenmark ins Hirn gepresst“) beeindruckt vor allem der fiktive Dialog, in den Meinhof mit dem offenem Brief ihrer Ziehmutter Renate Riemeck von 1971 tritt – zwei überaus starke Persönlichkeiten, die darum ringen, der Welt einen Sinn zu geben und doch nicht zueinander finden können.“
(Peter Romir am 19.10.2015 in den Nürnberger Nachrichten)

Inszenierung: Brigitte Döring, mit Martha Unterhofer

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